Samstag, 17. Januar 2015

Grenzgänger


Und hier ist er nun, der Zank-'Apfel' …

… der uns - noch bevor wir im Januar 1996 genau wussten, 
was wir mit dem kuriosen Vorerbe meiner Patentante nun 
eigentlich anfangen wollten, ein Anwaltsschreiben ins Haus 
brachte. Denn ich hatte nicht nur ein ziemlich in die Jahre 
bestand und Nutzgarten als Vorerbin erhalten, sondern 
auch gleich noch einen Grenz-Rechtsstreit mit geerbt …

So genau können/oder wollen sich unsere südlichen Nachbarn 
nicht mehr daran erinnern, wie es nun zu der Genehmigung 
kam, dass die Korkenzieherweide hinter der Garage und die 2 
Fichten am Grenzzaun trotz der Baumschutzsatzung in Hannover 
bis Ende Februar 1996 gekürzt bzw. beschnitten werden durften. 
Und es war gar nicht so leicht, auf die Schnelle damals noch
jemanden zu finden, der diese Aufgabe in dem engen Termin-
fenster überhaupt noch realisieren konnte. Leider hatte ich 
auch kein gutes Händchen bei der Auswahl des Unternehmens. 
Denn weder mit der ausgeführten Leistung beim Schnitt der 
unhandlichen Korkenzieherweide noch mit dem Preis hatte 
ich Glück. Das Schnittgut der Bäume wollte ich als Mulch-
material im Garten behalten. Nur leider war der von den 
Gärtnern mitgebrachte Shredder zu groß, um durch die enge 
Garagentür in den Garten zu gelangen. Und so blieben die 
Äste im Garten liegen, und ich zahlte ca. 2.600,- DM für 
diese unvollendete Arbeit.

Daher schaffte ich dann auch schnell für unseren Garten 
den Bosch AXT Leisehächsler mit Walze an, mit dem ich 
dann zusammen mit meiner Mutter an mehreren Tagen 
das Astwerk klein shredderte. Aber diese Anschaffung 
habe nie bereut. Jahrelang habe ich den Shredder dann 
auf Grund der damals recht hohen Anschaffungkosten - 
so um 950,- DM, in mein Auto verfrachtet, um ihn je nach 
Bedarf zwischen Braunschweig und Hannover hin und her 
zu kutschieren. Aber als auch ich allmählich in die Jahre 
den alten Shredder Anno 1996 zu meiner Mutter in Rente 
geschickt. Da wird er aber immer noch gut rangenommen. 
Nur die Tagesmenge, die dort zu bewältigen ist, ist selten 
mehr als zum Beispiel diese Weidenzweige auf dem Rasen
Da wird unser Shredder bisweilen schon mehr strapaziert

Und nach dem Schock der total verunstalteten Korkenzieher-
weide, die an den Astenden natürlich total besig in für uns 
schlecht erreichbaren Höhen ausschlug, haben wir viele Jahre 
Wuchsform zu bringen. Heutzutage steigt Wolfgang dazu 
auf das Schuppendach unserer Nachbarn, um von dort alle 
Grenzgänger direkt am Hauptstamm zu kappen. Und ich 
erledige das vom Garagendach aus. Nur ohne die Hilfe 
nochmals um 4 m verlängern, wäre diese Baumgröße an 
dieser Grenze vollkommen unmöglich. Und meist schneiden 
wir die Weide 2x im Jahr, so dass die Zweige nicht so lang, 
schwer und unhandlich werden. Denn beim Herabfallen 
der Äste kann natürlich auch mal schnell der Holzzaun 
unserer Nachbarn in Mitleidenschaft gezogen werden. Daher 
sind wir auch richtig froh, dass das Efeu den Stamm erobert 
hat und durch den dichten Bewuchs die Ausbildung neuer 
Triebe Richtung Süden etwas behindert.

Nach all' den negativen Erfahrungen mit Korkenzieherweiden, 
die aus Unwissenheit zu dicht an Grenzen gepflanzt wurden, 
könnte mir das jetzt nicht mehr passieren. Aber ich kann ja 
auch inzwischen auf über 40 Jahre Erfahrung mit diesen sehr
wuchsfreudigen Bäumen zurückblicken. Denn irgendwann in 
den 70ern bekam ich von meinem Vater mal einen Frühlings-
strauß geschenkt, in dem sich auch ein Zweiglein der damals 
noch recht unbekannten Korkenzieherweide befand. Und der 
bekam Wurzeln. Der erste Baum, der daraus entstand, musste 
dann leider für den Wintergarten meiner Großeltern Ende 
der 70er entfernt werden. Aber damals gab es schon Weiden-
kinder, die dann hinter dem neuen Wintergarten, neben der 
Garage sowie auch wieder zu dicht an der nördlichen Grenze 
in den Vorgarten gepflanzt wurden. Und eines dieser Kinder 
bekamen dann Ende der 70er auch meine Patentante und 
ihr Mann von uns geschenkt …

Foto: S.Schneider


Kommentare:

Kathinka hat gesagt…

Ja, die Korkenzieherweide wächst wohl recht schnell und ausladend; hier bei uns in der Reihenhaussiedlung gibt es inzwischen auch ein Exemplar dicht am Nachbarzaun (aber nicht an meinem). Ich hatte auch mal einen größeren Zweig für die Ostereierdeko, der Wurzeln schlug. In einem Plastikkübel setzte ich ihn in meinen Vorgarten. Das ist nun viele Jahre her, sein Wachstum hält sich durch den Topf aber offensichtlich stark in Grenzen. Er ist höchstens 1,80 m hoch und zu Ostern bekommt er jetzt die Osterdekoeier.
Viele Grüße
Kathinka

SchneiderHein hat gesagt…

@ Kathinka
Im Kübel sind sie in kleineren Gärten wirklich besser aufgehoben. Auch Birken! Meine Mutter hatte auch jahrelang eine Weide im Kübel am Hauseingang. Aber auf dem heißen Südhof sehen sie im Sommer meist häßlich aus, da sie unter der Hitze leiden und schnell erste Blätter abwerfen. Mir gehen sie auf dem Südhof fast immer im Sommer ein. Dabei wäre das eine ideale Hofbegrünung: Zu Ostern mit Eiern und die Wintermonaten mit Lichterkette vorm Fenster. Aber so 'verbaue' ich halt die 2 bis 3m hohen markanten Äste von unserem Baum für die Deko auf dem Hof - manchmal auch quer aufgehängt im Katzenfenster. Und wenn sie brüchig werden wird das Material durchgeshreddert und kommt als Mulch auf die Beete …

Dann gehe ich mal davon aus, dass Du inzwischen auch Selbstversorger bist ;-)