Samstag, 10. November 2012

Gevatter Vogel



Die Königin der Räuber ist wieder auf der Pirsch. Mit riesigen Schritten stürmt die Tyrannosaura Regina auf ihre Beute los.

Eine kleine Herde von Therizinosauriern erstarrt, als die brüllende Fleischfresserin sich langsam nähert. Sie würde zu gern so einen Riesentruthahn reißen. Dabei sind die friedlichen Riesen sogar engere Verwandte der Tyrannosaurier. Es sind echte Dinosaurier, nur mit Schnabel und Federn, die irgendwann angefangen haben, fleischlose Wochen einzuführen.

Die frustrierte Räuberin faucht und brüllt die Therizinosaurier an. Gegen deren lange Fingernägel kann sie allein schlecht etwas ausrichten. Die großen Pflanzen- und Früchtefresser wirken zwar immer etwas behäbig und plump. Aber eigentlich wissen die Wissenschaftler immer noch nicht so genau, was man mit so langen Krallen macht. Feinde abwehren oder nur Bäume rakeln, um ans Futter zu kommen?

Hier versammeln sich die gefiederten Dinosaurier ... wie der frühe Eothyrannus, der finster dahinschleichende Guanlong oder ein spreizschreitender Deinocheirus. Spätestens seit den vielen Fossilfunden aus China ahnen die Urzeitforscher, dass es Federn schon sehr lange gibt. Und viele Dinos hatten wohl auch schon einfache Federn. Deshalb konnte zwar noch keiner mit kräftigen Flügelschlägen richtig abheben und die wenigsten Minisaurier waren schon Gleitflieger. Das Gefieder war oft nur ein Flaum und diente wohl eher als ein Pelzersatz oder es machte den Signalgeber für die Balz oder Revierkämpfe. Dennoch sind die Forscher sich inzwischen einig: Die Saurier haben überlebt und sind unter uns. Sie heißen inzwischen Amsel, Spatz, Fink und Star. Linus wird künftig die niedlichen Piepmätze mit ganz anderen Augen sehen. Eigentlich haben die Dinos ja schon mit den Federn angefangen, bevor irgendeiner wissen konnte, wozu das Ganze überhaupt gut sein würde. Da hat doch keiner gesagt, in ein paar Millionen Jahren können wir fliegen!

Die Pteterosaurier mit Ihren Flughäuten sind dagegen überhaupt keine Dinosaurier, sondern nur deren enge Verwandte. Deshalb haben sie wohl diese ganze Federidee ausgelassen. Aber die Natur versucht es immer wieder mit dünnen Flughäuten, denn schließlich sind Fliegende Fische, Ruderfrösche, Flugsaurier, Fledermäuse und Drachenflieger in keinster Weise miteinander verwandt.

Ein Quetzalcoatl breitet seine Schwingen zum Gleitflug aus, denn hektisches Flügelschlagen ist sein Ding nicht. Eher nutzt er die warmen Aufwinde wie heute der Condor oder der Albatros. Unten belauern zwei Anhangueras einen Hatzegopteryx. Der hat einen kleinen Sauropoden gefangen. In der späteren Kreidezeit bestand Europa nur aus kleinen Inseln in einem weiten Urmeer. Da mussten die riesigen Pflanzenfresser wieder schrumpfen, um auf übersichtlichen Eilanden nicht zu verhungern. Und plötzlich waren die riesigen Flugsaurier die größten Räuber weit und breit. Der ausgewachsene Minisaurier ist auch für einen Langschnabel mit einer Spannweite von zwölf Meter ein zu großer Happen. Aber die Jungtiere hießen sicher schon mit Zweitnamen Mahlzeit, Ptero-Snack oder Lunch Time.

Krokodile sind zwar auch keine Dinosaurier, aber es gab trotzdem schon reichlich von Ihnen. Ein riesiger Sarcosuchus (auch bis zu 12 Meter) hat damals schon die Ufer von Flüssen und Seen unsicher gemacht. Und jeder Dino konnte froh sein, den scharfen Zahnreihen zu entkommen. Heute überlegen die Forscher ja immer wieder, wie die Saurier damals gelebt, gerannt, gefressen und überhaupt geatmet haben. Und weil die Dinos ja bis eben auf die Vögel ausgestorben sind, vergleichen die Wissenschaftler die Riesenechsen mit etwas zwischen Krokodil und einem Vogel Strauß. Howard zuckt mit den Schultern. Da kann man sich ja noch vieles dazwischen ausdenken, wenn man sich diese beiden Tiere heute ansieht.

Die wütende, tyrannische Raubsaurierin stapft missgelaunt weiter. Sie ist immer noch hungrig und auf der Suche nach leichter Beute. Howard findet ihren bunten Kopfschmuck gar nicht so unpassend, denn schließlich hat man inzwischen sogar Tyrannosaurus-Junge gefunden, die einen wärmenden Federflaum hatten. Der größte Dinoforscher aller Zeiten bedauert, dass die großen Raubdinos keine fiesnackten Reptilien mehr sein sollen. Er mag keine Herscherin der Kreidezeit, die ein aussieht wie ein schlechtgelauntes Hühnchen.


Fotos: W.Hein

Dies ist eine weitere Fachbärtagung für die weltbeste Saurierforschung. Der eigentlich allwissenden Dinoexperte Linus und sein Stichwortgeber für lange Fußnoten Howard sind Rica-Bären. Die Saurier wieder eine bunte Mischung aller führenden Hersteller von Kinderträumen.


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