Sonntag, 1. August 2010

gut geschützt ...


Es ist zwar schon ein paar Wochen her, aber jedes Mal, wenn ich
bei Wolfgang Beifahrerin bin und in den Wagen einsteigen will,
dann fange ich über das ganze Gesicht an zu grinsen:

An einem heißen Sommertag wohl Anfang Juli klingelte es
an der Tür und eine Mutter mit Kind fragte mich, ob mir
der Wagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehört.
Ich befürchtete das Schlimmste: Beule durch ein umgefallenes
Kinderfahrrad, Schlüssel oder Spielzeug einmal am Fahrzeug
langgezogen etc. Und dann hieß es, dass ihre Tochter schon
einen Entschuldigungsbrief geschrieben hätte, den aber irr-
tümlich bei unserer Nachbarin gegenüber eingeworfen hat,
die im Urlaub ist. Also erklärte mir nun die Mutter, während
ihre kleine Tochter sich etwas hinter ihr versteckte, dass
sie und zwei Freundinnen vor ein paar Tagen auf der Straße
gespielt haben. Und irgendeines der Mädchen hatte wohl
wegen der starken Sonneneinstrahlung sicherheitshalber
Sonnenmilch dabei. Die drei Mädels sind dann tatsächlich
auf die Idee gekommen unseren blau-grauen Wagen auf der
Beifahrerseite mit Sonnenmilch einzucremen. Die Mutter
erklärte, sie hätten auch schon versucht den Wagen danach
zu putzen, aber so ganz ist es ihnen nicht geglückt - es
bleiben immer noch Schlieren. Ich konnte mir das Grinsen
nicht verkneifen. Zum Glück hatten sich die Kinder einen
Wagen ausgesucht, bei dem das nun auch nichts mehr aus-
macht, da schon viel erlebt hat, und der TÜV uns im Herbst
wohl eh' scheidet. Ich beruhigte die Mutter, dass es nicht
schlimm sei und wendete mich etwas halb-didaktisch, aber
immer noch grinsend an die Tochter, dass sie soetwas zu-
künftig doch besser nicht mit fremden Dingen machen sollten.

Im Nachhinein ärgere ich mich über mich selbst, denn
die Mädchen hatten doch nur etwas gelerntes angewendet:
Auf der Straße ist es brütend heiß, und wer nicht durch
Sonnenmilch geschützt ist, bekommt ganz schnell
einen Sonnenbrand ...

Unser Auto ist jetzt immer noch etwas geschützt:


Und eigentlich ist das doch eine zwar noch etwas fehlgeleitete,
aber doch selbstständige Denkweise, die nicht bestraft werden sollte!

Jedenfalls freute ich mich, dass es immer noch ein paar Draußen-
bzw. Straßenkinder gibt,
die in diesem Post auf dem Blog
'Pusteblumes Alltagsgeschichten' so vermisst werden ...

Foto: W.Hein


Kommentare:

Herz-und-Leben hat gesagt…

Kinder - ja solche Ideen! :-)
Und zum Glück gibt es sie noch die "Straßenkinder" ... allerdings sind genau die in manchen Kreisen verpönt, da es nichts "Rechtschaffenes" ist, das die dort tun und dann werden Kinder bis ins Detail verplant angeblich der späteren Karriere wegen ... wenn man dann aber später mal schaut, was aus solchen Kindern geworden ist ... ist auch nicht groß was anderes aus ihnen geworden, als aus allen anderen auch. ;-) Im Gegenteil! Manches Straßenkind hat dann sogar eine wirkliche Karriere gemacht, die dem Sinn des Begriffes sogar gerecht wird. Glück läßt sich eben nicht erzwingen ...

Lieber Gruß
Sara

SchneiderHein 2 hat gesagt…

@ Sara
Ganz ehrlich, mir sind solche noch etwas falsch verstandenen Ideen viel lieber, als Kinder die nur stur vor dem Rechner spielen oder vor dem Fernseher hängen und dabei ihre 'Fähigkeiten' einseitig trainieren.
Klar ist der Begriff 'Straßenkinder' heutzutage eigentlich verpönt. Bezeichnet er doch oftmals Kinder in größen unpersönlichen Wohnanlagen, die nur rumhängen, oftmals viel zu früh rauchen & trinken und mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen.
Das ist aber bei diesen Siedlungskindern noch etwas anders. Da wird auf der Straße noch Verstecken oder Hockey gespielt, werden mit Kreide Hüpfkästen aufgemalt oder die Fußwege vollgekritzelt. Halt tatsächlich das, wofür eigentlich mal die Verkehrsschilder 'Spielstraße' angefertigt wurden. Nur, dass dort wohl nur noch selten spielende Kinder anzutreffen sind. Denn das kenne ich auch aus dem Freundeskreis, dass die Kinder fast vom ersten Moment an verplant sind, um bei der frühkindlichen Förderung bloß nichts zu verpassen, und eventuell irgendwann nicht der Alters-Norm entsprechen ...
Nee, ich bin echt froh, dass ich noch mit Butzenbauen im Garten und alten Pappkartons zum Spielen groß werden durfte. Ich hatte als Einzelkind zwar schon fürchterlich viel Spielzeug, besaß aber zum Glück trotzdem nicht für jedes Spiel gleich das vorgefertigte perfekte Teil, sondern musste improvisieren. Oder ich bastelte aus eigenem Antrieb, da ich das ein oder andere Teil zum Spielen gebrauchen konnte.
Ich vermute, heutzutage besteht die Gefahr, dass Kinder in zu perfekten Welten aufwachsen, die zwar das Malen und Basteln als Kreativitätstechniken enthalten, aber in zu engen und vorgefertigten Bahnen verlaufen, die Kindern oftmals zu wenig Freiraum lassen um selbst genug auszuprobieren. Wie heißt es so schön: 'Probieren geht über Studieren ...?'
Wir haben es jedenfalls im Studium sehr zu schätzen gewusst, dass wir genug Freiraum hatten. Denn es gab reichlich Themen, die nicht unbedingt mit irgendwelchen erforderlichen Scheinen zu tun hatten, uns aber nebenbei trotzdem interessierten. Und später hatten viele dieser zusätzlichen Interessengebiete sogar einen Nutzen. Aber in das Schema eines 'Durchlauferhitzers', wie damals die Leute bezeichnet wurden, die in der Regelstudienzeit fertig fürs Berufsleben waren, passte soetwas natürlich nicht.
Nur wenn alle immer nur ganz schnell in geregelten Bahnen bereits jahrelang erprobtes Wissen oder Fähigkeiten erlernen, wo kommen dann in Zukunft die so dringend benötigten neue & innovativen Ideen her?

Herz-und-Leben hat gesagt…

So durfte ich ja auch großwerden, aber auch schon damals galt man dann bei einigen als „Straßenkind“, wenn man nicht da schon wohlbehütet (in Haus und Garten) blieb und einen durchgeregelten Tagesablauf hatte.

Diese totale Verplanung haben wir bei unseren Kindern auch nie mitgemacht. Wenn sie natürlich auch Kurse wie Gitarre, Klavier oder Pfadfinderstunden besuchten. Aber nie zu viel auf einmal mit doch viel Freiräumen. - Ein Kind muß eine Kindheit haben – erwachsen wird es schon schnell genug! Alles klagt über das Verschwinden der Kindheit doch fast alle tun es danach! Es ist halt auch schwer, aus der sog. Norm zu fallen und sich oft rechtfertigen zu "müssen" ;-)

Spielzeug hatte ich selbst zum Glück (wie ich heute weiß) nicht so viel, mir dienten oft Steinchen und Naturmaterialien als belebte Figuren und Gegenstände, wie Kochtöpfe - meine Schwester besaß da schon sehr viel mehr. Ihr hats aber sicher auch nicht geschadet, da sie immer sehr kreativ damit umging und schon immer sehr viel gebastelt und gehandarbeitet hat, Sinnvolles!

Das ist wohl wahr und – wie es bei Brigitte auch zum Ausdruck kam – man bastelt um des Bastelns willen, oft nicht um etwas Sinnvolles oder wirklich Kreatives dadurch herzustellen. Tja, diese „Durchlauferhitzer“ – das scheint leider heute gang und gäbe zu sein, wo man sein Studium möglichst im Eilverfahren absolvieren soll.
Auch wieder so ein Thema ....