Dienstag, 12. Mai 2009

Ein ganz anderes Klima ...


... gibt es auf dem südlichen Hof im meinem 'Zweitgarten'
in Braunschweig. Viele Pflanzen, die meine Mutter und ich
schon viele Jahre mögen, halten sich inzwischen weder
bei ihr hinter dem Haus noch in unserem Wildwuchsgarten.
Beide Gärten sind im Laufe der Zeit zu dicht, schattig,
sehr gut gemulcht und dadurch extrem schneckenfreundlich
geworden. Aber nach und nach findet sich jetzt trotzdem
eine Lösung für diese Stauden. Vielleicht liegt es auch nur
daran, dass wir in den letzten Jahren zeitweilig etwas
gelassener mit dem Garten umgehen. Denn inzwischen
werden nicht mehr alle Steinfugen auf dem Hof zwischen
den Granitpflastern und Wesersandstein-Platten akurat
sauber gehalten. Und plötzlich gibt es sie wieder, die fast
verschollenen Stauden:

Enzian-Ehrenpreis am Beginn der Rabatte.

Kaum noch vorstellbar, dass wir noch vor 10 Jahren
ganze Felder dieser hellblauen wunderschönen Staude
am Rand unserer Betonfläche hatten.

Lein, gab es sowohl bei meiner Mutter als auch bei uns
im hinteren Teil des Gartens. Aber hier, wo er eigentlich
nicht hingehört - in und an der Einfahrt, da versamt er
sich gern und oft. Immer wieder versucht meine Mutter
kleine Ableger an ihre Teichlandschaft umzusetzen - leider
nur mit mäßigem Erfolg.

Die pfirsichblättrige Glockenblume ist ebenfalls
so ein Problemkind in unseren beiden Gärten. In der
Einfahrt hingegen wird sie nun eher zum Problem,
da sie sich an allen möglichen und unmöglichen
Stellen versamt. Aber hier am Haussockel darf sie
zusammen mit dem Mauerpfeffer gerne wachsen!
Der Mauerpfeffer hat sich übrigens aus der jetzt dicht
bewachsenen Rabatte fortbewegt und sich unter
anderem diesen freien Platz auf dem Hof ausgesucht.

Die Kuhschellen haben wir immer schön frei gehalten,
damit sie nicht von anderen Pflanzen überwuchert werden.
Dieser hier in der Rabatte ist das vollkommen egal. Sie
breitet sich zwischen den Traubenhyazinthen immer weiter
aus. Und neue Saat ist schon in Arbeit. Auch die Trauben-
hyazinthen haben wir in beiden Gärten schon oftmals gesetzt.
Aber nur hier werden sie regelrecht zum 'Unkraut', denn sie
versamen sich sogar zwischen den engen Fugen der Wasch-
betonplatten des Nachbargrundstücks.

Ebenso scheint es das Sandkraut überhaupt nicht
zu stören, dass es zwischen Kriechwachholder und
Blauschwengel eingeengt wird. Dahinter entfaltet
sich gerade eine
Dreimasterblume, eine Staude, die wir
auch mal in verschiedenen Farben im Garten hatten ...


Jungfer im Grünen fühlt sich hier richtig wohl!

Und erst recht die Steinsame!

Wahrscheinlich erobert sie sogar den Wachholder
vor der Garage, wenn wir nicht aufpassen.

Der Standort für diese rote Rose ist leider ungünstig gewählt.
Sie leidet unter Mehltau und die stehende Mittagshitze auf
dem Hof zwischen den Häusern und vor der Garage unterstützt
die Mehltau-Bildung. In diesem Jahr habe ich sie mal nicht
gedüngt. Für dieses lang anhaltene trockene und extrem heiße
Frühjahr sieht sie jetzt noch recht gut aus. Und ganz versteckt
erscheint schon die erste Blüte.

An der Hausecke hat sich ein Lavendel aus der Rabatte
versamt, er bildet zusammen mit der weißen Kuhschelle und
Glockenblume eine selbstgewählte Pflanzgemeinschaft.

Und ein kleiner Lein besetzt die Fuge davor.

Irgendwann müssen wir hier am Wasserbecken
vor dem Hauseingang wohl doch etwas aufräumen.
Aber zur Zeit ist die Freude über die ausgesamten
Pflänzchen noch zu groß.

Den Winter haben mein Topf-Enzian aus der Herbstdeko
und die Edeldistel aus unserem Wildwuchsgarten unter dem
Glasdach bei meiner Mutter verbracht. In unserem Garten
wären sie schon längst wieder Schneckenfutter. Und auch im
hinteren Garten bei meiner Mutter hätten sie keine Chance
gehabt. Das haben wir schon mehrfach versucht und immer
wieder verloren. Also stehen sie jetzt vor dem Hauseingang
im Topf und sehen noch erstaunlich gut aus.

Blüten - wir können es nicht glauben! Beiläufig vor 2 oder 3 Jahren
im Herbst als Deko in den Pflanzkübel eingesteckte Hagebuttenzweige
aus dem Garten, haben Wurzeln und wollen nun sogar bald blühen. Da
werde ich
meine Rosensaat aus Sangerhausen wohl lieber bei meiner
Mutter auf dem Hof großziehen. Und es vielleicht noch mit ein paar
anderen Rosen als Stecklinge probieren ...

Und da ist er nun, der üppige Rosen-Kübel mit
Herbstastern, die auch nur noch hier gedeihen.

Neben der Haustür wahrscheinlich ein Hauswurz,
dessen Namen wir aber nicht kennen, der im Sommer
lange Rispen mit gelb-orange-roten Blüten entwickelt.

Inzwischen füllt er zwei Kübel und ein paar Ableger
habe ich bereits in Hannover -
für die Weihnachtsdeko.
Den himmelblauen Rittersporn hatte meine Mutter im
letzten Sommer blühend als großen Staudentopf geschenkt
bekommen. Wir wagten es nicht ihn ins Beet zu setzen.
Nun bekommt er im Topf 3 Blüten. Unter dem Glasdach,
wo er überwinterte, hatten ihn die Schnecken bereits
entdeckt: Sie kriechen sogar unter der Schiebetür durch,
um zartes Grün zu naschen!

Selbst das 'Streublümchen' - Feinstrahl,
hinter dem Lein, hat es im Beet schwer. Aber
zwischen den Fugen versamt es sich überall!

Und unter dem Taxus zum Garteneingang blüht
mein kleiner Liebling die Taubnessel. Auch sie ist
geflüchtet -
allerdings aus dem weißen Vorgarten.
Irgendwann werde ich wieder einen neuen Versuch
starten, und einen Ableger mit zu uns nach Hannover
nehmen. Aber ob ich den Taubnesseln dann auf
Anhieb den richtigen Standort anbieten werde?

Fotos: S.Schneider



Kommentare:

Sara Mary © Mein Waldgarten (© Herz und Leben) hat gesagt…

wunderhübsch, der Enzian-Ehrenpreis! Ja, die lieben Pflänzchen machen nicht immer das, was sie sollen. Die Pfirsichblätterige kenne ich gut, das war uach im Waldgarten so ähnlich. Wo ich sie hin haben wolle, erschien sie nicht. ;-)
Die Hauswurz neben der Haustür ist ja gigantisch - ist das nicht eher ein Eisgewächs, Crassula?

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Das ist bei mir die interessanteste Lernerfahrung vom Bloggen: Durch die Posts anderer und das intensivere Beobachten unserer Gartenveränderungen, lerne ich viel über Standortansprüche und Wanderverhalten der Pflanzen. Das ist mir früher beim schöne Blümchen fotografieren nie so aufgefallen.
Und bei meiner Mutter klang es immer so, dass es ihrer Unfähigkeit oder irgendwelchen anderen unergründlichen Umständen zuzuschreiben sei, warum in anderen Gärten in der Nachbarschaft Pflanzen wuchern, die bei ihr immer wieder verschwinden.
Da sind solche regionalen Vergleiche bzw. eindrücke von West, Ost, Nord, Süd und dem Ausland plötzlich total spannend. Ebenso die Standorte und viele mißlungene Versuche sind eben in unseren beiden Gärten inzwischen den Schnecken zuschreiben. So wie bei dem Enzian-Ehrenpreis und der Glockenblume, die nur noch als Fugenfüller zwischen den Hofplatten überleben können.

Gut, dass Du auf den Hauswurz hinweist ;-) Das Bild hatte ich gestern für die Shooting Star verzweifelt als Sommer-Link gesucht und nicht gefunden. Ich brauche auch hier jetzt immer mehr Garten-Labels …
Was das für ein Wurz ist, weiß ich nicht. Er blüht jedenfalls orange-rot an langen Rispen. Aber inzwischen kümmerten beide Töpfe. Nach dem Einkellern - der ist nicht winterhart, haben wir dann wohl nur noch einen Topf für die Haustreppe.

Sara Mary © Mein Waldgarten (© Herz und Leben) hat gesagt…

Ja, selbst zwei Gärten weiter kann das Kleinklima schon wieder ganz anders sein.
Was die vermeintliche Hauswurz betrifft - wenn die Pflanze aber nicht winterhart ist, kann es auch keine solche sein. Irgendwo sah ich mal eine ähnliche und ich glaube, das war auch eine Crassula. Die blühen ja zum Teil auch am langen Stiel.
Und jetzt muß ich mal nach Deinem Shooting Star Ausschau halten .... ist das ein Pflanzenname?

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Ich kenne mich mit diesem Pflänzchen im Kübel auf der Treppe nicht aus. Meine Mutter hatte mal Ableger geschenkt bekommen. Und 2007 hatte sie so viele, dass ich sie einfach für die Weihnachtsdeko mißbrauchte: http://wwwdekogeruempel.blogspot.de/2007/12/drauen-vor-dem-tore.html
Nach starkem Frost waren die dann Matsch, aber schön sah es bis dahin aus …
Inzwischen gibt es tatsächlich nur noch den kleinen Topf für die Treppe. Ich hatte mir gestern mal zufällig die eingekellerten Pflanzen angeschaut. Aber der sieht noch gut aus und passt ohne Blüten so schon zum blau-grauen Haus …

Auf dem Schild der Helleborus stand 'HGC Shoorting Star' HGC steht für Helleborus Gold Collection: http://www.helleborus.de/ger/hgc.htm
In der Bildergalerie ist auch die 'Silvermoon' zu sehen, die bei mir bald verschwunden war, und bei meiner Mutter im Beet unter der Birke jetzt ums Überleben kämpft …

Klar ist das Kleinklima auch schon unterschiedlich. Das zeigt sich bei meiner Mutter im Garten ja auch schon in den Gärten im Süden und Norden. Aber da ihr und unser Grundstück die gleiche Ausrichtung haben - beide Einfahrten liegen zum Süden und auf beiden Grundstücken liegt die Einfahrt zum Nachbarn gleich daneben, gibt es schon einige interessante Ähnlichkeiten. Auch, da in beiden Gärten die höhere Südbepflanzung die Gärten verschattet. Und die Häuser die Abendsonne verhindern.