Donnerstag, 1. Mai 2008

Unsere offene Pforte am 1. Mai



Wie schnell doch ein Jahr vergangen ist! Der
wild wuchernde Waldmeister blühte und duftete
in großen weißen Teppichen im Garten. Und es
war wieder Zeit, dass Schild mit der Einladung zur
offenen Pforte an die Straße zu stellen.

Das Wetter meinte es auch dieses Jahr gut mit uns. Nach
dem nächtlichen Regen trocknete der Hof schon wieder
und die tanzenden Schmetterlinge in den Birkenzweigen
leuchteten zeitweilig im Sonnenschein
.

Zur den Vorbereitungen gehört jedes Mal die Pausenbank
vor der Tür. Allegra markierte noch schnell das Holzmöbel
als ihr Revier. Danach verschwand sie wieder rechtzeitig,
bevor der erste Besuch kam. Die schöne Katz' bleibt
halt eine Internetkatze.

Für die Besucher ging es vorbei an einem Regal mit
wohlgeordneten DekoGerümpel. Da letztlich fast alle
Bereiche offen zugänglich sind, kommt die offene Pforte
fast einem Frühjahrsputz gleich. Alle Rumpelecken
des Winters müssen sortiert und geordnet werden. Und
in den Ecken, in die sich kein Gast verirren kann, stapeln
sich die Dinge, die so schnell keinen Platz gefunden haben.

Am Durchgang direkt zum Garten begrüßte der Willkommens-Vogel,
der bei uns nur noch das Verhängnis genannt wird, die Besucher.

Noch war der Garten leer, ...

... aber schon bald war der Steg mit Blick in den Teich
der beliebteste Platz unserer Gäste. In diesem Jahr
kamen die ersten Garteninteressierten sogar schon vor
der offiziellen Zeit. Und in Stoßzeiten wurde es schon
ganz schön eng auf dem Holzweg. Wie gut, dass ein
morscher Balken mitten im Steg am Tag vorher noch
schnell unterstützt wurde. So viele Besucher hätte er
ohne Stütze sicher nicht mehr tragen können. Überhaupt
macht sich an solchen Tagen bemerkbar, dass unser
Wildwuchgarten kein öffentlicher Park ist. Die meisten
Wege sind so schmal, dass wir gar nicht viel mehr
Menschen auf einmal darin unterbringen könnten.

Doch es gibt eben auch übersichtliche Zeiten, an denen
die Besucher freie Bahn zum mittleren Teil des Gartens
hatten.
Hier lockte schließlich der Waldmeister.

Doch es fiel anscheinend schwer, sich vom
bunten Gewimmel im Teich loszureißen, ...

... um auf die Betonfläche zu gelangen. Der Termin am 1. Mai
scheint uns immer noch ideal für eine öffentliche Begehung
zu sein. Denn im Frühsommer hat der Garten seine schönste
Blütezeit. Und schon wenige Wochen später überwuchern
die üppigen Pflanzen fast alle Pfade und Ränder und es gibt
kaum ein Durchkommen.

Es wurde immer wieder gestaunt, wie groß der Garten
erst hinter dem Wald wird. Natürlich sorgen die dicht
bepflanzten Grenzen des Grundstücks und die hohen
Bäume in der Nachbarschaft auch dafür, dass man die
tatsächlichen Ausmaße nur erahnen kann. Allerdings
stellten einige Besucher mit Internetanschluss fest, dass
im Wildwuchs-Blog alles noch weitläufiger wirkt.

Viele Besucher erkundeten auch den Hochwald und
betraten dann den von Beinwell und Waldmeister
gesäumten Buchen-Trampelpfad vor der nördlichen
Grenze. Darunter waren schon "Stammgäste". Einige
Besucher früherer offener Pforten sind gern wieder
gekommen und haben sogar Mundpropaganda gemacht.
Oder haben die Freunde gleich mitgebracht.

Auch der schmale Weg bis zum blauen Hasen,
der eine junge Baumpäonie markiert, lud
zum Entdecken ein.

Doch Wasser hat die größte Anziehungskraft: Die
Molche, Frösche und Posthornschnecken im kleinen
Aluteich war wieder die größte Attraktion für Kinder
und auch Erwachsene. Und nun entsteht in einem
Nachbargarten ein neues Molchs-Refugium.


Aber nach so viel Waldmeisterduft ...

... und Fachsimpeleien über das wüchsige Kraut
oder den unvermeidlichen Fragen, worin die
Aufsicht beim Wildwuchs besteht ...


lockte das Buffet mit grünen Getränken
und grünen Speisen.

Nach so einem Tag zeigte sich, dass der Beton-Streifen
vor dem Treppenhaus und die schmalen Flächen am Teich
eigentlich nicht für solche Besuchermengen ausreichen,
ohne dass die Wildwuchs-Wiese davon in Mitleidenschaft
gezogen wird. Auch ist es eben unüblich, in so einem
scheinbar ungeordneten Stück Natur viele für uns kostbare
Pflänzchen zu verstecken, die bisher für viele noch als
Unkräuter am Wegesrand gelten. Kaum jemand ahnt, was
für ein harter Kampf die Ansiedlung sein kann und wieviel
davon immer wieder verloren geht, wenn doch alles so
üppig wirkt. Zum Glück hat das
zarte Unkraut-Pflänzchen,
das uns in der Wiese ganz besonders am Herzen liegt,
diesen Tag trotzdem gut überstanden. Und die Trampelpfade
des Nachmittages werden bald wieder verschwinden.

Aber sonst gab es trotz der über 60 Besucher keine
nennenswerte Schäden. Nur hier und da ein abgeknicktes
Pflänzchen am Wegesrand. In ein paar Tagen wird davon
nichts mehr zu erkennen sein. Deshalb bleibt das Fazit:
Ein rund herum schöner und gelungener Garten-Nachmittag.

Und am Buffet: Am Ende des Tages blieb
ein Anstandsfrosch übrig.

Der Schalenspiegel der Götterspeise oder, wie
eine Besucherin sagte, des Glibberpuddings mit
Waldmeistergeschmack war in diesem Jahr
stark gesunken.

Und bei den Getränken, insbesondere bei
der Waldmeister-Bowle, gab es mehrfach
Nachschub und dennoch hat es gerade
knapp gereicht.

Kurz vor 19 Uhr tauchte unsere Maus wieder auf.
Obwohl sie so eine neugierige Katze ist, war ihr
das doch wohl zu viel Trubel in ihrem Zuhause,
und sie verbrachte den Nachmittag lieber in einem
ruhigeren Nachbarsgarten.

Und als die letzten Sonnenstrahlen auf
das geplünderte Buffet fielen, ...

... war es an der Zeit, dass auch Allegra wieder ihren
sicheren Platz auf dem bequemen Kissenstapel in der
Kleiderkammer verlassen konnte.

Fotos: SchneiderHein


Auf unserem Blog 'Wildwuchs unter Aufsicht'
gibt es dazu den ausführlichen Mai-Spaziergang
in 12 Etappen durch unseren Garten.



Kommentare:

Ute hat gesagt…

Liebe Silke,
ich wünschte, unsere Garage wäre so aufgeräumt wie dein Durchgang zum Garten. Bei uns muss man durch die Garage in den Garten und dass kann man Fremden unmöglich zumuten, ohne sich zu schämen. Ich vermute, es war ein anstrengender Tag für euch, aber anscheinend auch ein schöner. Im nächsten Monat, gibt es erstmals auch in Mainz einige Gartenfreunde, die einen Tag der offenen Gartenpforte machen wollen, da werde ich mich vielleicht dann auch einmal hintrauen.
Noch ein schönes Wochenende wünscht dir Ute
P.S. Ich schreibe immer an dich, aber eigentlich seid ihr ja zwei, oder?

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ute
Gäbe es keine offene Pforte, so würde unser Durchgang nie so aussehen. Es hat neben allerlei Vorbereitungen auch was Gutes - wir müssen mal aufräumen oder umschichten! Auch bei uns stapelt sich schnell viel Kram dort, so dass sie kaum nutzbar ist. Eben ist der Raum noch recht leer, was wir auch genießen, aber dafür sind Kleiderkammer und Keller übervoll. Außerdem haben wir noch ein zusätzliche Rumpel-Garage...

Trau Dich doch ruhig mal in einen fremden Garten, ich bin gespannt!

Ja, wir sind zwei. Wolfgang macht meist die schöneren Fotos - egal welches Blog-Thema, und erschwert mir dadurch erheblich die Auswahl. Allerdings hat er leider immer weniger Zeit und so hängt viel Blog-Welt von meiner freien Zeit ab. Denn schließlich möchte er mit seinem Bären-Thema und Hasenmaus in diesem Sommer noch vorankommen.

Gefundenes Paradies hat gesagt…

Hallo,
Tag der offenen Gärten mag ich sehr.
Suche mir bei uns in der Umgebung auch immer 2/3 Gärten aus die ich dann besuche.
Ach ja von wegen Besuch !
Schön das Sie meine Seite besucht haben und wenn Sie möchten lade ich Sie gerne ein einmal live bei mir vorbeizuschauen.
Bügeleisen und Kaffee würde ich auch stellen ........
Lasse einen lieben Gruß da
Anke
PS: Habe Sie verlinkt.Hoffe das OK! Hoffe auch ich habe die richtige Seite verlinkt.
PPS: Die Bären und Hasen gefallen mir auch soooooooooo gut.
Habe mich selbst schon an Teddys versucht.Nur wenn Sie fertig sind haben meine oft lange Löffel und nenne sich Hasen.

SchneiderHein hat gesagt…

@ Anke
Wenn der Hunsrück nicht doch ganz schön weit von Hannover entfernt wäre, würde ich/wir das Angebot das Paradies in Augenschein zu nehmen gern annehmen. Aber so werden, Kaffee & Bügeleisen noch warten müssen.
Da uns der erste Post-Inhalt so gut gefällt, kommt der Blog über das Paradies auch auf unsere Link-Liste. So können wir zumindest aus der Ferne mal ab und an vorbei schauen und lernen vielleicht auch den ein oder anderen Hasen-Teddy kennen...

Kathinka hat gesagt…

Liebe Silke,
ich habe in den letzten Jahren schon oft das angebot der Offenen Pforte genutzt und wunderschöne Gärten kenen gelernt. Es ist sehr interessant, jetzt einmal einen Erfahrungsbericht aus anderer Warte zu lesen. Ich konnte keinen jüngeren Post auf euren Blogs finden, nehmt ihr nicht mehr teil? Sonst hätt ich bestimmt mal reingeschaut...
LG Kathinka

SchneiderHein hat gesagt…

Liebe Kathinka,
ich glaube, wenn Du diesen Post gelesen hast, gibt es kaum noch Fragen dazu ;-)
http://wildwuchs-unter-aufsicht.blogspot.de/2014/01/vom-kontrollierten-wildwuchs.html

Aber das heißt nicht, dass wir generell keinen Garteninteressierten mehr zu uns reinlassen. Nur im Moment würde unsere Haftpflicht den Personenschaden sicherlich nicht ersetzen, der entsteht, wenn ein Besucher bei uns im Steg einbricht bzw. sogar in den Teich fällt …
Zum Glück gab es von meiner Mutter einen Weihnachtsgutschein für 'ne Menge Holz vor die Hütte'. Doch dafür muss es Frühjahr werden, und auf jeden Fall richtig gut über einige Tage trockener sein. Damit wir den morschen Steg ausbessern und zusätzlich das alte Holz mit einer Querlattung stabilisieren können, um dann wieder 3m lange Bohlen darauf zu befestigen, die zuvor jedoch auch allseitig lasiert werden müssen. Das ist mein/unser Frühjahrs-Projekt, damit wir selbst wieder etwas sicherer in den zweiten Teil des Gartens kommen. Denn häufiger sind wir jetzt schon auf dem Holz ausgerutscht, und beide auch schon stellenweise eingebrochen. Tat ganz schön weh. Und selbst unsere Katzen werden in Teichnähe immer vorsichtiger auf dem Catwalk …

Ein anderes Problem ist unsere diabetische Katze Allegra. Bei ihr steigt fast immer der Blutzuckerspiegel, wenn Besuch naht. Und sie verkriecht sich solange in der Kleiderkammer oder unter dem Bett. Das ist bei ihrem Wasserbedarf und der Menge an täglichen Klobesuchen natürlich recht tückisch. Lediglich beim Pizzaboten, der Post (auch DHL) und bei P(H)ermes bleibt sie gelassener, wenn die an der Haustür klingeln, denn die kommen ja nicht ins Haus!
Daher sind kurze Besuche zwar möglich, aber nur, wenn Madame ungestört in ihrem Raum beim Futter, dem Wassernapf und ihren Großraum-Senioren-Wohnklo neben dem Küchentisch bleiben kann. Sonst haben wir danach eine Menge Stress mit ihr. Denn dann nutzt sie auch schnell mal andere Ecken bzw. die auf dem Fußboden aufliegenden Gardinen als Katzenklo ;-( Daher nehmen wir lieber viel Rücksicht auf unsere scheue alte Dame ...