Montag, 9. Oktober 2006

Reichlich Rot nach weißer Blüte

Dieser Post ist den Rosen gewidmet. Dazu verlassen wir
unseren Garten und fahren wieder ins Rosarium nach
Sangerhausen. Im Herbst, wenn die hohe Blütezeit vorbei
ist, und es dort unzählige Hagebutten zu sehen gibt.

Rosa agrestis Savi - Wildrose

Diese und die folgenden Rosen stehen allesamt auf unserer
unrealistischen Wunsch-Liste. Unrealistisch, da wir nicht alle
unsere Wünsche in unserem Wildwuchs-Garten unterbringen
können. Und unrealistisch auch, da es nahezu unmöglich ist,
viele dieser Rosen im Handel zu bekommen. Noch vor ein
paar Jahren boten einige Rosenschulen ein interessantes und
umfangreiches Sortiment an Wildrosen an. Aber seit einiger
Zeit verschwinden immer mehr dieser Rosen aus den Verkaufs-
Listen. Die Nachfrage war leider nicht ausreichend und so sind
oftmals nur noch die gängigen 'Wildrosen-Modelle' im Angebot ...

Rosa serafinii Viv. - Wildrose

Rosa laxa Retz. var. plena - Wildrose

Rosa corymbifera Borkh. - Wildrose

Rosa wichuraiana Crép. - Wildrose

Rosa rubus Lév. et Van. - Wildrose

Rosa britzensis Koehne - Wildrose

Rosa gallica L. x Rosa corymbifera Borkh. var. alba - Wildrose

Rosa wardii Mulligan 'Culta' - Wildrose

Rosa corymbifera Borkh. var pilosa - Wildrose

Rosa micrantha Borr. ex Sm. - Wildrose

Rosa x micranthosepium 'Gartenform von L.Lens' - Wildrose

Rosa minutifolia Engelm. - Wildrose

Single Blush - Pimpinellifolia-Hybride

Rosa multiflora Thunb. x Rosa moschata Herrm. - Wildrose

Rosa beggeriana Schrenk - Wildrose



Die folgenden weiß blühenden Rosen gefallen uns zwar auch,
aber zu ihnen können wir glücklicherweise schon etwas
leichter 'Nein' sagen. Ihre unterschiedlichen Hagebutten sind
jedoch alle reizvoll:

Rosa beggeriana Schrenk var. glabrata Christ - Wildrose

Pompon blanc parfait - Alba Rose, Verdier 1876

Rosa polliniana Spreng. - Wildrose

Rosa spinosissima var. altica - Wildrose
(Rosa spinosissima 'Grandiflora')

Venusta pendula - Arvensis-Hybride, Kordes 1928

Seagull - Wichuraiana-Hybride, Pritschard 1907

Rosa chinensis Jacq. x Rosa multiflora Thunb. - Wildrose



Die nächsten Rosen haben wir fast alle im Garten.
Nur bei zwei, der hier gezeigten Hagebutten handelt es sich
um Varianten, die für uns aber kaum zu unterscheiden sind.
Unsere Pflanzen sind jedoch noch so jung, dass wir sicherlich
noch viele Jahre darauf warten müssen, bis sie sich zu so
prachtvollen Sträuchern wie im Rosarium entwickeln:

Rosa wichuraiana Crép. x Rosa chinensis Jacq. - Wildrose

Rosa arvensis Huds. var. subbiserrata Schwertschl. - Wildrose
Die "einfache" Rosa arvensis Huds. steht bei uns im Garten.

Kiftsgate - Filipes-Hybride, Murell 1954

Rosa longicuspis Bertol. - Wildrose
Ob wir in unserem Garten nun eine Rosa longicuspis oder
doch eine Rosa mulliganii haben, werden wir wohl nie
herausfinden. Angeblich wir unter dem Namen R. longicuspis
sehr häufiger eine R. mulliganii verkauft. Unser Rosen-
Nachschlagewerk 'The Royal Horticultural Society' schreibt
unter R. mulliganii sogar syn. Rosa longicuspis. Im Rosarium
Sangerhausen soll es jedoch beide Rosen geben. Leider
besitzen wir aber bis jetzt noch keine Vergleichsfotos
von den beiden Rosen. Aber vielleicht nach unserem
nächsten Besuch...

Rosa x alba L. 'Semiplena' - Wildrose

Schneezwerg - Rugosa-Hybride, Lambert 1912

Fotos: W.Hein


Hagebutten, die oft vergessene Frucht der Rosen:
Scheinbar unbedeutend, weil viele moderne Züchtungen keine
oder nur unscheinbare Früchte ausbilden. Nicht beachtet, weil
kaum ein Rosenbuch neben den Blüten auch die prallen Saatkapseln
zeigt. Übersehen, weil ständig geputzte und geschnittene Rosen
dadurch ihres roten Herbstschmucks beraubt werden. Vergessen,
weil wir selbst uns wieder daran erinnern mussten, dass Hagebutten
an Rosensträucher gehören. In unserer Jugend waren sie noch
zuverlässiger Lieferant von Juckpulver und Wurfgeschossen. Aber
ein klassisches Rosenbeet unserer Kindertage bedeutete im Herbst
oft genug stachliche Strünke in nackter Erde, die bald darauf bis
zum Frühjahr mit mehr nackter Erde angehäuft und Tannenzweigen
abgedeckt wurden.

Die schönsten, erstaunlichsten und vielfältigsten Hagebutten bilden
offensichtlich noch die Wildrosen aus. Wer in Pflanzenkatalogen und
Bestell-Listen stöbert, weiß aber auch, wie klein das Verkaufsortiment
geworden ist. Selbst im Rosenshop von Sangerhausen sind die
Mitarbeiter erstaunt, wenn wir gezielt Wildrosen suchen. Die meisten
Besucher und Rosenenthusiasten haben andere Vorlieben. Dabei
besitzt Sangerhausen vielleicht weltweit die größte Sammlung
von Wildrosen. Und hat erst vor wenigen Jahren neue Flächen im
Eingangsbereich kultiviert, um mehr Platz für die vorhandene
Artenvielfalt zu schaffen.

Aber die Wildrosen machen es den Rosenfreunden auch nicht leicht.
Viele Sorten werden große Büsche mit kleinen und oft noch einfachen
Blüten. Sie blühen früh und in den meisten Fällen nur einmal, so dass
die meisten Ahnen unserer Gartenrosen schon wieder zurückhaltend
den grünen Hintergrund bilden, wenn ihre Nachkommen erst ihre
Farbenpracht entfalten. Bis jetzt haben wir bei den ganz frühen
Wildrosen den idealen Zeitpunkt für die Blüte in Sangerhausen immer
wieder verpasst. Und die meisten Rosenfreunde sind eben auch schon
wieder weg, wenn dann im Herbst das rote Feuerwerk beginnt.

Aber vielleicht bekommen wir in den Rosenzüchtungen für
unsere Gärten irgendwann nicht nur den Duft und Charme
alter Rosen zurück. Es wäre doch spannend, wenn zur Beschreibung
neuer Sorten auch die Fähigkeit gehören würde, besonders schöne
oder gar aufregende Hagebutten ausbilden zu können. Die ersten
Vorboten eines Trendes sind zum Beispiel in den Bestell-Listen vom
Landhaus Ettenbühl zu finden. Bis dahin wünschen wir uns mehr
Wildrosenfans, die durch ihre Nachfragen das Angebot im Handel
erhalten oder gar wieder erweitern.



Kommentare:

sisah hat gesagt…

Oh, das ist ja ein wunderschönes Album. Wenn es so etwas auf dem Markt gäbe, würde ich´s sofort kaufen. Ich bin ein Fan der Wildrosen und liebe die unterschiedlichen Hagebuttenformen,manche Arten sehe ich hier zum ersten Mal! 'Rosa britzensis'...nie gehört, ob die wohl ursprünglich mal aus Britz kam, aber welches Britz...im Neuköllner Britz , in dem ich arbeite... wohl kaum ;-)
Auf die Idee im Herbst sich Sangerhausen anzuschauen, bin ich noch gar nicht gekommen,schöne Idee!
Leider sind die meisten Wildrosen wirklich ihrem Namen entsprechend leider auch viel zu wild, von manchen habe ich mich inzwischen getrennt, zum Beispiel von R. pimpinellifolia in einer Hybridform namens 'Double White'. Ich finde jetzt noch Teilstücke ihrer unterirdischen Ausläufer, die ich unter Kontrolle halten muss!

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sisah
Stimmt, an Deine Erfahrungen mit Double White können wir uns noch gut erinnern. Aber in dem Fall haben uns Deine Wahrnungen nicht davon abgehalten sie trotzdem für unseren Garten zu besorgen. Aber Du hast schon recht, dass Pimpinellifolia-Hybriden einiges an Aufsicht und Arbeit erfordern. Unsere ca 9 Jahre alte Dünenrose am Steg ist das beste Beispiel dafür. Im Umkreis von 2,5m finden sich inzwischen ihre Ausläufer!
Es lohnt sich wirklich auch mal im frühen Herbst nach Sangerhausen zu fahren und die Hagebutten-Vielfalt life zu erleben. Auch ist es erstaunlich, wie viele Rosen dann immer noch blühen.
Vielleicht werden wir demnächst hier noch einmal einen Post mit Hagebutten von nicht weiß-blühenden Rosen erstellen, da noch eine ganze Reihe anderer schöner Hagebutten-Varianten auf unserer Festplatte schlummern...

guild_rez hat gesagt…

Schöne Fotos..Die Wildrosen mit den kleinen Hagebutten wachsen bei uns wild im Park und am See. Ich verwende sie sehr gern in meinen Herbst- und Weihnachtsgestecken.
Im Frühjahr werden sie von den ersten Zugvögeln verspeist z.B. dem American Robin..
LG Gisela

Anonym hat gesagt…

Hallo Herr Schneiderhein,

ich finde ihr Semiplena-Haagebuttenbild sehr schön und könnte es gebrauchen für ein Buch über Rosen. Ginge das? Und wenn ja, wie? Haben Sie den Strauch auch blühend?
Reinhard Witt
www.reinhard-witt.de